Etzel - Ein kleines Dorf am Rande von Ostfriesland

Der Name Etzel hat sicherlich nichts mit dem, auch Etzel genannten, Hunnenkoenig Attila zu tun. Ältere Benennungen lauten auch "Edzijl" oder "Eedsel", was frei interpretiert werden könnte in "Durchlaß am Wasser". Natürlich waren die Etzeler immer Stolz auf sich, auf ihr Dorf und auf ihre Eigenständigkeit. Was im Verlauf der Jahrhunderte Mansfelder, Holländer, Franzosen, Russen, Oldenburger oder zuletzt die Engländer als Besatzer nicht schafften, wurde mit der Gemeindegebietsreform per Gesetz in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts akklamiert.

Etzel fiel an das benachbarte, lange Zeit bedeutungslose Friedeburg !

Zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts machte die aufkommende Textilindustrie die vielen Webstühle auch in Etzel überflüssig. Landarbeiter, Knechte und Mägde waren der Fronschaft bei den großen Bauern überdrüssig und junge Handwerker sahen keine Chance zum unabhängigen Broterwerb. So war es kein Wunder, dass die Erzählungen über ein freies, lohnendes Leben und billiges Farmland im fernen Amerika Sehnsüchte weckten. Viele verkauften ihr wenig Hab und Gut, ließen sich ihr Erbteil ausbezahlen und buchten eine Überfahrt ab Bremerhaven.

Riesige, vom heutigen Skandinavien ausgehende Gletscherzungen formten während der Eiszeiten unsere heutigen norddeutschen Landschaften. Die mitransportierten, noch heute vorhandenen Findlinge ( gerundete, abgeschliffene Gesteinsbrocken ) können eindeutig Gebieten in Nordeuropa zugeordnet werden. In unseren Breiten entstanden riesige, leicht gewellte Feinsandgebiete. Wo die Natur später keine andere zusätzliche Formung (Moor, Marsch) vornahm, verblieb die urförmige Geest.

Ein wenig bekanntes Gebiet in unseren Breiten ist der Kanu- oder Kajakfreizeitsport. Für Interessenten ist die "Mönkebrücke" am Friedeburger Tief ein idealer Ausgangs- und Einstiegspunkt. Das Tief, ein naturnaher Fluss, war vor den Eindeichungen ein Teil der Maade und mündete direkt in die Nordsee.

Wahrscheinlich stand schon im zehnten Jahrhundert auf dem Platz des jetzigen Gotteshauses - einer natürlichen Sanderhebung am Rand zum Überflutungsgebiet - eine aus Balken gefertigte Kirche. Nachdem ein Brand das Gebäude dahinraffte, wurde das Gelände erhöht und eine neue Kirche in Pfostenbauweise mit dazwischenliegenden Schwellbalken errichtet. Grabungen haben ergeben, dass ein rechteckiger Saal Mittelpunkt war, dem ein quadratischer Chorraum angefügt wurde. Ein erneuter Brand im zwölften Jahrhundert war dann Anlass ein Steinhaus nach nochmaliger Aufschüttung des Geländes zu errichten.

Am 12. Mai im Jahre 1665 kam Albert, der Stammhalter von Grete Albers und Johann Wilken Seba, in Etzel zur Welt. Niemand konnte damals ahnen, dass dieser Junge aus dem Loog einmal zu den berühmtesten Persönlichkeiten heranreifen sollte, die Ostfriesland jemals hervorbrachte. Der kleine Albert genoss in seiner Kinderzeit ungewöhnliche Freiheiten. So durchstromerte er die Geest auf der Jagd nach interessanten Feuer- und Kieselsteinen. Viel spannender dürften aber seine Ausflüge in die nahegelegenen Randflächen des schwarzen Bracks gewesen sein. Hier bot sich ihm ein Paradies von zu sammelnden Objekten wie Krebse, Muscheln und anderem Getier an.

Vor ungefähr 260 Millionen Jahren entwickelten sich die großklimatischen Verhältnisse auf unserer nördlichen Erdhälfte in immer größerem Umfang zu einem extremen Wüstenklima hin. Ungefähr zeitgleich senkte sich der Festlandsockel unter das Niveau des Meeresspiegels. Dadurch wurden gewaltige Gebiete der Nordhalbkugel überflutet. So entstanden verschiedene Flachwasserbecken, die zum einen voneinander, aber im besonderen vom Weltmeer, durch untermeerische Rücken (sogenannte Schwellen) getrennt waren. Im Zuge der Überflutung wurden zunächst die mit dem Meerwasser aufgeschwemmten, nicht gelösten Bestandteile wie Sand, Kies und Ton abgelagert.

Unser Dorf ist eine, für unsere Breiten typische, Streusiedlung mit verschiedenen Ortsteilen. Diese Ortsteile wiederum sind in sich gewachsen und besitzen eine funktionierende Nachbarschaftsstruktur.

Der westlichste Ortsteil Stapelstein wird von der jetzigen Bundesstraße durch-schnitten. Der Boden besteht weitgehend aus magerem Sandboden und war noch bis in die zwanziger Jahre mit Heide bewachsen. In Teilen war hier aber auch Lehmboden anzutreffen. Besiedelt war dieser Ortsteil von kleineren bäuerlichen Betrieben. Fast parallel zur heutigen Fernverkehrsstraße verlief in Windungender alte Postweg.